j-lawyer.org als Open Source unter AGPL 3 veröffentlicht 4


Wer in den letzten Tagen den Twitter-Feed verfolgt hat, konnte die „Vorboten“ schon betrachten. Am 14.02. – nicht nur Valentinstag sondern auch „I love Free Software Day“ – wurde der erste Quellcode veröffentlicht. Übrigens exakt der 400te Tweet – ein schönes Thema für’s Jubiläum 🙂

j-lawyer.org ist ab sofort als Open Source unter GNU Affero General Public License Version 3 veröffentlicht. Quellcode und Dokumentation sind in einer sogenannten  „Github-Organisation“ mit dem Kürzel jlawyerorg verfügbar. Einen Quickstart für Entwickler gibt es als README ebenfalls auf Github.

Die letzten 6 Jahre meiner „Freizeit“ (sprich: nahezu jede Minute jenseits von Familie oder Job) sind in das Projekt geflossen. Warum jetzt veröffentlichen? Weil die Zeit reif dafür ist. Vielleicht und hoffentlich sage ich in einem oder zwei Jahren auch: „hätte man viel eher tun sollen“.

Warum?

Die Arbeit am Projekt ist für mich in jedweder Hinsicht spannend und motivierend gewesen, und ich freue mich über jede positive Rückmeldung und jede neue Installation. Es hat sich eine Anwendercommunity gebildet, die das Projekt in vielerlei Hinsicht unterstützt – Anforderungen definieren, Fehler melden, Pilottests unterstützen, mir als Nichtjurist Kanzleiabläufe erklären… das alles hat nicht nur j-lawyer.org als Projekt vorangebracht, es hat mich auch mit vielen liebenswerten Menschen in Kontakt gebracht – aus mittlerweile sieben europäischen Ländern.

„Freie“ (sei es im Sinne von „kostenlos“ oder auch freier Software / Open Source) Alternativen im Markt für Kanzleisoftware (auch für andere Betriebssystemplattformen als Windows) sind rar gesät, und ich möchte dass j-lawyer.org sich weiterentwickelt und als Beispiel fungiert. In Vergangenheit unterstützten immer wieder auch technisch Versierte die Entwicklung – nachhaltig war das bisher leider nicht. Ich erhoffe mir von der Quellcodeveröffentlichung etwas Auftrieb was die Entwicklungsseite angeht – ein klares Statement „der Code gehört allen“ soll das unterstützen. Für mich ist das keine Abgabe des Projektes an eine noch nicht vorhandene Entwicklercommunity – ich werde mit gleicher Motivation weiterarbeiten und mich intensivst um den Aufbau einer kleinen Entwicklerriege kümmern.

Das ist kein Rückzug, es ist der Anfang.

Veröffentlichung – nicht ganz so einfach wie es scheint…

Mal eben den Quellcode zu Github laden? So einfach ist es dann doch nicht.

Zwei Themen bedeuteten im Vorfeld größeren Aufwand: Codebasis „fit“ für eine Veröffentlichung machen und saubere „Kapselung“ proprietärer Komponenten.

Teile des j-lawyer.org Codes werden nach jeder Änderung automatisch getestet – das verringert manuelle Aufwände und unterstützt grundsätzlich das Qualitätsmanagement in Softwareprojekten. Diese automatisierten Tests in jeder beliebigen Umgebung ausführbar zu machen, bedeutete teilweise größere Änderungen.

Außerdem gibt es für die Integrationen von Drebis und des beA Geheimhaltungsvereinbarungen, was die Schnittstellen dieser externen Systeme angeht. Programmteile in j-lawyer.org, die auf diese Schnittstellen zugreifen, mussten sauber „gekapselt“ werden, sodass diese NDAs nicht verletzt werden. Das bedeutet allerdings auch, dass es aktuell zwei Bibliotheken gibt, die nicht Open Source sind. Bis auf weiteres werden Änderungen an diesen Bibliotheken ausschließlich von mir durchgeführt und die kompilierten Ergebnisse dann auf Github veröffentlicht. Das ist nicht befriedigend, und ich bin noch dran hier eine bessere Lösung zu finden.

Softwareentwickler sind aber uneingeschränkt in der Lage, Änderungen an allen anderen Teilen von j-lawyer.org (Datenbank, Server, Client) vorzunehmen und beizusteuern.

„Aber ich spreche kein Java“

Das macht nichts! Ich spreche auch nicht BGB 🙂

Unterstützung wird auch auf anderen Feldern gebraucht:

  • Melden von Fehlern
  • Einbringen von Verbesserungsvorschlägen
  • Marketing / Betreuung von Website und Social Media
  • Support von Anwendern im Forum
  • Hilfe bei Tests und Dokumentation
  • Hilfe bei der Weiterentwicklung (Konzeption)

Im Zweifelsfall: einfach mal anklopfen und Hallo sagen. Auch wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt…

 

In diesem Sinne: weitermachen!

Jens

 

AGPLv3-Logo CC-BY Christian Cadena


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4 Gedanken zu “j-lawyer.org als Open Source unter AGPL 3 veröffentlicht

  • Didi

    Dieser Schritt und die geplante Verschlüsselung dürften die Software sicher noch besser machen. Etwas Vergleichbares kenne ich jedenfalls für den juristischen Bereich nicht.
    Wenn da nur nicht dieses nervende MariaDB versus MySQL wären… 😉

    • j-lawyer.org Autor des Beitrags

      Ist eine etwas verzwickte Situation bei Dir, weil andere Software die MariaDB haben will. Ich werde evtl im Rahmen der 2.0 mal mit MariaDB testen.
      Momentan kann ich nur anbieten bei einer Installation in einer VirtualBox zu helfen. Dann bliebe Dein aktuelles System unangetastet.

      Grüße!
      Jens

      • Didi

        Danke für das Angebot. Ich weiß das zu schätzen. Aber mit VirtualBox wird mir das zu umständlich. Ich denke, ich warte mal die Zeit ab. Vielleicht wird es ja noch eine andere Lösung mit 2.0 geben. Jedenfalls stünde ich gerne bereit, sie als einer der Ersten zu testen.