beA: Wissen ist Macht? 2


Das Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt

Marie von Ebner-Eschenbach

Zugegeben, der Spruch ist alt, abgedroschen, ausgelutscht, und: hier einfach nur passend. Denn es geht mir um Folgendes: einen Erfahrungsaustausch und die direkte Zusammenarbeit zwischen Herstellern von Kanzleisoftware – zumindest in Sachen beA.

Softwarehersteller als Einzelkämpfer

In Moment habe ich den Eindruck, dass alle Softwarehersteller für sich selbst mit der Integration des beA (mehr oder weniger) kämpfen, Probleme werden wiederholt und unabhängig voneinander analysiert, umschifft, gelöst. Es gibt keinen Wissensaustausch in irgendeiner Form.

Was war…

Bereits im Rahmen von vier Fragestunden die es mit BRAK, Atos und interessierten Herstellern gegeben hat, habe ich wiederholt vorgeschlagen ein Forum o.ä. zu etablieren. Dies wurde seitens der BRAK zugesagt, aber nie umgesetzt. Dabei liegen die Vorteile klar auf der Hand: ein Austausch zwischen Integrationsexperten resultiert in besseren Integrationen des beA, und „generiert“ somit unmittelbar zufriedenere Anwälte, höhere Nutzungsbereitschaft und letztlich eine stärkere Wahrnehmung des beA als das was es sein soll: ein Mittel zur effizienteren, papierlosen und sicheren Kommunikation. Und: die Nutzung des beA innerhalb einer Kanzleisoftware bietet darüber hinaus eine sehr viel bessere Verzahnung mit den Arbeitsabläufen der Juristen (im Vergleich zur Nutzung der beA Weboberfläche).

Eine direkte Unterstützung zwischen daran interessierten Softwareherstellern wäre eine Win-Win-Win-Win-Situation: für das beA, für die BRAK, für die Anwaltschaft, und für die Softwarehersteller.

Was wird… ein Versuch:

Aktuell beschäftige ich mich intensiv mit dem Update der beA-Schnittstelle auf die aktuelle Version, und die Integration in j-lawyer.org. Dabei ergeben sich immer wieder Fragen, man stößt auf unklare Verhaltensweisen und kämpft mit Dokumentationslücken. In einer der vielen langen Tage und Nächte ohne wesentliches Vorankommen beschloss ich das Thema selbst in die Hand zu nehmen – jedoch nicht ohne den Rückhalt der BRAK. Meine Kontaktversuche möchte ich hier kurz darstellen – aus verschiedenen Gründen inhaltlich leicht gekürzt.

Ein Vorschlag auf offiziellem Weg

Mein Vorschlag beinhaltet im Wesentlichen ein durch mich und andere Hersteller moderiertes, geschlossenes Forum zu etablieren.

Am 20. Februar wendete ich mich in Kurzfassung an das offiziell für die Softwarehersteller eingerichtete Postfach der BRAK:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wende mich mit einer Frage bzgl. eines möglichen direkten
Austausches zwischen Softwareherstellern (die beA-Schnittstelle
betreffend) an Sie.

Können Sie folgendem Vorhaben zustimmen, und welche zusätzlichen oder abweichenden Bedingungen sind ggf. durch mich umzusetzen?

Zielstellung: direkter Austausch zwischen Kanzleisoftwareherstellern zu Themen rund um die Nutzung der beA-Schnittstelle

Form: geschlossenes Forum / geschlossene Facebook-Gruppe

Anmeldekriterien: ein Beitritt wird nur solchen Personen gestattet
werden, die [genauer Wortlaut nicht ohne Weiteres zu veröffentlichen-Anmerkung Jens Kutschke] haben. Eine Überprüfung findet durch Moderatoren statt, indem [genauer Wortlaut nicht ohne Weiteres zu veröffentlichen-Anmerkung Jens Kutschke]. Im Forum tätige Personen werden belehrt, dass [genauer Wortlaut nicht ohne Weiteres zu veröffentlichen-Anmerkung Jens Kutschke].

Vertreter der BRAK und / oder Atos sind in der Gruppe willkommen.

Gern erörtere ich das Vorhaben auch telefonisch.

Im Voraus vielen Dank.

Am Vormittag des 21. Februars erhalte ich in zeitlichem Abstand zwei Lesebestätigungen, sodass ich davon ausgehe dass die Nachricht (a) empfangen und bestätigt und (b) intern weitergeleitet und erneut bestätigt wurde.

Am 4. März – es gab bisher keine Reaktion auf meine Anfrage – frage ich höflich nach:

Sehr geehrte Damen und Herren,

können Sie mir den Eingang meiner Email vom 20.02.2019 bestätigen und auf mein geschildertes Anliegen eingehen?

Sollten Sie weitere Informationen benötigen, rufen Sie mich gern an.

Viele Grüße

Eine Lesebestätigung bleibt in diesem Fall aus. Auch nach mehr als zwei Tagen erhalte ich keine Antwort – weder inhaltlich, noch eine schlichte Eingangsbestätigung.

Bitte um Unterstützung durch Julia von Seltmann

Am 7. März wende ich mich mit folgendem Schreiben an Julia von Seltmann, Geschäftsführerin und Ansprechpartnerin für ERV/beA bei der BRAK:

Sehr geehrte Frau von Seltmann,

vorab möchte ich um Entschuldigung bitten, dass ich Sie direkt kontaktiere.

Ich bin einer der vielen Kanzleisoftwarehersteller, welche sich um eine Integration des beA bemühen. Ich habe mich von Beginn an aktiv in den Prozess eingebracht und auch konkrete Verbesserungsvorschläge gemacht, sowie eine Sicherheitslücke gefunden und verantwortungsvoll an die Verantwortlichen des beA gemeldet.

Bereits im Rahmen der initialen Gespräche zwischen BRAK, Atos und Softwareherstellern habe ich ein Austauschforum vorgeschlagen, welches von der BRAK zugesagt wurde. Leider ist es nie zu einer Umsetzung dieses Vorhabens gekommen.

Ich möchte dies nun selbst in die Hand nehmen. Am 20.02.2019 schrieb ich unten stehende E-Mail an die offizielle Adresse [für Softwarehersteller, Anmerkung Jens Kutschke] …@brak.de, und legte kurz dar in welcher Form ich einen solchen Austausch ermöglichen möchte, unter Beachtung aller Gegebenheiten (wie bspw. [genauer Wortlaut nicht ohne Weiteres zu veröffentlichen-Anmerkung Jens Kutschke]). Bis heute habe ich weder eine Eingangsbestätigung noch irgendeine andere Reaktion erhalten.

Ich würde mich freuen wenn Sie mein Anliegen unterstützen können und auf eine Beantwortung meiner Anfrage hinwirken könnten. Für Ihre Mühen vorab vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Bis heute (21. März) ist keinerlei Reaktion seitens irgendeiner Person aus dem Umfeld der BRAK erfolgt. Die Situation ist für mich und andere Hersteller nicht nur auf fachlich-sachlicher sondern auch auf der zwischenmenschlich-kommunikativen Ebene äußerst frustrierend.

Und nun?

An die Leser dieses Beitrags: Sind Sie betroffener Softwarehersteller? Oder Anwalt der helfen kann? Insbesondere interessieren mich folgende Fragestellungen:

  • Welche anderen Versuche gab es, von denen ich eventuell nichts weiß?
  • Wer kann helfen einzuschätzen, ob eine „Genehmigung“ durch die BRAK überhaupt notwendig ist?
  • Welche konkreten Aktivitäten hat evtl. der SIV-ERV (in welchem j-lawyer.org aus Kostengründen nicht Mitglied ist) unternommen, und mit welchem Ergebnis?
  • Welche anderen Möglichkeiten der Einflussnahme können noch genutzt werden, und finden sich Vertreter der Anwaltschaft, die das Thema – in welcher Form auch immer – in den Fokus rücken können?

Gern als Kommentar hier am Artikel, oder per E-Mail.

Danke!


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2 Gedanken zu “beA: Wissen ist Macht?

  • bjk

    Hallo Jens,

    vielleicht kannst Du Dich bezüglich dieser frustierenden Siutation mal an die Redaktion der c’t wenden, welche ja immer wieder über das beA und den Geschehnissen im Umfeld berichtet. Mit einer offiziellen Presseanfrage der auflagenstärksten Computerzeitung Deutschlands im Rücken, kommt vielleicht etwas Schwung in das Anliegen oder zumindest fühlt sich überhaupt mal jemand zu einer Antwort genötigt.

    Danke das Du trotz solcher Erfahrungen weiter so engagiert an der Integration des beAs arbeitest!
    Viele Grüße
    bjk

  • Mykola Neumann

    Ich würde vorschlagen, einfach mal die Geschäftsführerin der BRAK anrufen, warum man denn keine Antwort bekommt und was denn helfen würde, eine Antwort zu bekommen…. Immerhin bezahlt jeder Anwalt im Jahr 400 € Kammerbeitrag….